Stehen die terrestrischen Casinos in der Schweiz kurz vor dem Aus?

Die 21 Schweizer Spielbanken befinden sich in der größten Krise aller Zeiten. Die goldenen Jahre sind inzwischen vorbei und das Roulette dreht sich immer langsamer. Seit 2007 sind die Umsätze in der Industrie um ein Viertel eingebrochen. Dafür gibt es verschiedene Gründe, auf die wir in diesem Artikel näher eingehen werden.

Zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage?

Zocken kann man in der ganzen Schweiz in insgesamt 21 Casinos. Das sind zu viele für die kleine Schweiz. Kein Casino konnte den Umsatz des Vorjahres halten. Die Folge: Mitarbeiter mussten entlassen werden. Die sinkenden Einnahmen bedeuten auch einen Verlust für die Staatskasse, die Altersvorsorge AHV und die Kantone. Bis 2002 flossen bereits 4,4 Milliarden Franken an Steuererträgen in die öffentliche Hand.

Das Angebot ist also da und auch die Nachfrage. Das Glücksspiel ist in der Schweiz nach wie vor sehr beliebt. Doch der Markt ist gesättigt, auch wenn dies die offiziellen Vertreter der Eidgenössischen Spielbankenkommission bestreiten. Der starke Franken ist für ausländische Spieler wenig attraktiv. Strengere Rauchergesetze und das Verbot von bestimmten Spielautomaten verschärfen zudem die Situation. Die Schweizer zocken daher lieber im nahen Ausland. In Grenznähe gibt es ein großes Angebot neuer Casinos, in Norditalien sind in den letzten Jahren über 10.000 neue Spielautomaten entstanden, Süddeutschland hat viele neue Spielhallen und auch im Elsass gibt es ein neues Casino. Doch viele Schweizer möchten auch Diskretion wahren. In der Schweiz müssen sie als Stammspieler ihren Lohnausweis zeigen, wenn sie im Casino spielen möchten. Vielen Schweizern geht das zu weit. Sie weigern sich ihre finanzielle Lage offenzulegen und bevorzugen daher die Anonymität der ausländischen Casinos. Größter Kritikpunkt sind für den Schweizer Casino Verband die strengen Regulierungen im Vergleich zu ausländischen Casinos oder dem Internet-Glücksspiel. Die Eidgenössische Spielbankenkommission beaufsichtigt die Casinos. „Sie hat die Regulierung dauernd verschärft“, beklagt sich Marc Friedrich, der Geschäftsführer des Schweizer Casino Verbands.

Die Konkurrenz aus dem Internet

Die meisten Kunden verlieren die terrestrischen Casinos jedoch an die Anbieter aus dem Internet, die immer zahlreicher werden. Die Online-Casinos bieten den Spielern zahlreiche Vorteile, die sie in einem terrestrischen Casino vergeblich suchen. Sie können beispielsweise von Boni profitieren und somit länger spielen oder höhere Einsätze tätigen. Damit erhöhen sich auch Ihre Gewinnchancen und die Chance auf höhere Gewinnbeträge. Außerdem können sich auch Spieler mit geringerem Budget das Spielen in den Online-Casinos erlauben und sie können von überall aus und jederzeit spielen.

„Die meisten Kunden verlieren die terrestrischen Casinos jedoch an die Anbieter aus dem Internet, die immer zahlreicher werden. Die Online-Casinos bieten den Spielern zahlreiche Vorteile.“

Im Vergleich zu den terrestrischen Casinos finden die Spieler in den Online-Casinos auch eine viel größere und abwechslungsreichere Spielepalette. Manchen Spielern ist das Spielen in den terrestrischen Casinos schlicht und einfach zu langweilig. Die besondere Spielatmosphäre, die manche Spieler in den terrestrischen Casinos hält, kann man sich inzwischen auch durch den Live-Dealer Modus direkt zu sich nach Hause holen.

Casinobetreiber fordern faire Bedingungen

Um mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten zu können, fordern Casinobetreiber eine Lockerung der strengen Regulierungen zum Vorteil aller Spieler. Die Schweizer Casinos zahlen bis zu 60% ihrer Gewinne an den Staat in Form von Steuern und Gebühren. Von den Online-Casinos hingegen profitiert der Staat gleich null, solange kein Bezug zur Schweiz besteht. Online-Casinos sind noch illegal, aber solange die Spieler auf ausländischen Seiten spielen können Sie nicht dafür belangt werden. An der rechtlichen Situation der Glücksspiele wird sich auch vermutlich so schnell nichts ändern. Die Mühlen der Justiz mahlen auch in der Schweiz langsam und so wird mit einer definitiven Glücksspielreform erst nach 2018 gerechnet. Erschwert wird die prekäre Lage der Spielbanken zudem durch illegale Glücksspielanbieter in Bars und Hinterzimmern von Restaurants, bei denen unter anderem mit Poker-Turnieren bis zu 150 Millionen Franken pro Jahr umgesetzt werden.